Die Geschichte des Kesselhauses

Das Gebäude am Sandtorkai 30, unmittelbar an der Sandbrücke gelegen, wurde in den Jahren 1886 bis 1887 nach Plänen des Hamburger Architekten Franz Andreas Meyer errichtet. Ursprünglich bestand der Bau aus einem dreigeschossigen Betriebstrakt, einer eingeschossigen Kesselhalle und einem niedrigen Turm. Heute ist das Gebäude Teil der Speicherstadt.

Von Beginn an hatte das Kesselhaus eine zentrale Bedeutung für die Versorgung der Speicherstadt. Die Energieversorgung der Speicheranlagen erfolgte zunächst unabhängig vom übrigen Hamburger Stadtnetz. Im Kesselhaus wurden sowohl elektrischer Strom für die Beleuchtung als auch Druckluft für den Betrieb der hydraulischen Winden, Kräne, Hebebühnen und Treppenaufzüge erzeugt.

Über eine benachbarte Maschinenzentralstation wurde das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf zu den umliegenden Speichern geleitet und dort für den Antrieb der Winden genutzt. Mit diesen hydraulischen Winden konnten Waren auf die einzelnen Lagerböden transportiert werden. Bereits 1888 war die Beleuchtung der Speicheranlagen aus Gründen des Brandschutzes vollständig elektrifiziert.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kesselhaus durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Gleichzeitig machte der technische Fortschritt die ursprüngliche Dampfversorgung zunehmend überflüssig; elektrische Maschinen ersetzten nach und nach die früheren Antriebe.

In den Jahren 1999 bis 2000 wurde das Gebäude nach Plänen des Architekturbüros Gerkan, Marg und Partner umfassend umgebaut und restauriert. Die im Krieg verlorengegangenen Schornsteine wurden dabei durch charakteristische Stahlgitterkonstruktionen ersetzt. Bis April 2026 beherbergte das Gebäude das HafenCity InfoCenter. Heute befindet sich im Foyer eine UNESCO-Welterbe-Ausstellung. Die ehemalige Kesselhalle hat eine neue Nutzung gefunden: Hier kann man heute Kaffee trinken, wechselnde Ausstellungen besuchen und bei einer Partie Brett- oder Kartenspiel verweilen.

Heute beginnt für das Kesselhaus ein neues Kapitel. Wo einst Energie für die Speicherstadt erzeugt wurde, entsteht nun wieder ein Ort voller Leben. Kunst, Kultur, Begegnung und Genuss finden hier zusammen – in einem historischen Gebäude, dessen Geschichte bis heute spürbar ist. Das Kesselhaus verbindet seine industrielle Vergangenheit und neue Gegenwart . Es lädt dazu ein, diesen besonderen Ort immer wieder neu zu entdecken.